Der Klang der Ewigkeit
Online seit Fr 27 September 2024 in KI-Geschichten
Der Klang der Ewigkeit
Die Nacht lag still über dem Dorf, als der Klang zum ersten Mal durch die Luft schwebte. Es war eine Melodie, so zart und gleichzeitig so gewaltig, dass sie den Wind trug wie Blätter im Herbst. Niemand wusste, woher sie kam, doch jeder spürte sie. Alte Menschen blieben in ihren Betten wach liegen, junge traten aus den Türen und lauschten, als die Noten durch die Bäume flossen, über Felder glitten und schließlich den See erreichten.
Am Ufer stand Elyn, ihre Hände zitterten, als sie den Bogen über die Saiten ihrer alten Geige zog. Es war ein Instrument, das lange in den tiefen Archiven ihrer Familie geschlummert hatte – ein Erbstück aus vergessenen Zeiten. Niemand hatte je darauf spielen können, aber heute Nacht schien es, als hätte die Geige eine eigene Stimme. Töne, die Elyn nicht zu verstehen, aber zu lenken vermochte, sprangen aus den Saiten.
„Die Melodie der Ewigkeit“, hatte ihre Großmutter gesagt, als sie ihr das Instrument übergeben hatte. „Sie wird die Welt verändern – aber nur, wenn du den Mut hast, sie zu spielen.“
Elyn hatte ihr nicht geglaubt. Geschichten waren Geschichten, und sie hatte nie an Magie geglaubt. Doch nun, während die Musik von ihren Händen gelenkt wurde, spürte sie die Wahrheit in jeder Note.
Der See begann zu leuchten. Ein sanftes, silbernes Licht stieg aus den Tiefen auf, als ob die Sterne selbst im Wasser erblühten. Fische, die seit Jahrhunderten unsichtbar geblieben waren, tanzten in spiralförmigen Bewegungen unter der Oberfläche. Die Luft selbst vibrierte, und Elyn fühlte, wie eine alte Macht in ihr erwachte.
„Hör auf, Elyn“, flüsterte eine Stimme in ihrem Kopf, aber sie konnte nicht. Der Klang, den sie spielte, war zu stark, zu unwiderstehlich. Die Melodie verlangte, zu Ende gebracht zu werden.
Ein Schatten bewegte sich über den See. Es war kein Schatten, wie man ihn aus der Welt der Menschen kannte. Er hatte Form, Tiefe und Augen. Augen, die brannten wie die untergehende Sonne und auf Elyn gerichtet waren.
„Du hast mich gerufen“, sagte der Schatten mit einer Stimme, die wie Donner rollte. „Hast du den Mut, den Preis zu zahlen?“
Elyn stockte. Ihre Finger bebten auf den Saiten, doch sie spielte weiter. „Was bist du?“ fragte sie, die Melodie verwandelte sich in einen sanften Tanz, der die Luft um sie herum erhellte.
„Ich bin der Klang der Ewigkeit. Ich bin das, was existiert, wenn alles andere vergangen ist. Und du, Sterbliche, hast die Tür geöffnet.“
„Was will ich?“, wiederholte der Schatten mit einem Hauch von Belustigung. „Du willst, dass die Welt anders wird. Du willst Macht, um das zu ändern, was du nicht verstehst. Aber alles hat seinen Preis.“
Die Melodie wurde schneller. Elyn spürte, wie ihre Finger schmerzten, doch sie konnte nicht aufhören. Sie konnte den Klang nicht loslassen, nicht jetzt, wo sie so nah an etwas Großem war. „Welchen Preis?“ flüsterte sie.
„Den Preis der Zeit“, sagte der Schatten. „Du spielst die Melodie der Ewigkeit. Dafür wirst du die Ewigkeit sehen. Alles, was war, was ist und was sein wird.“
Elyn fühlte, wie ihr Körper begann, sich aufzulösen, als ob sie selbst ein Teil der Melodie wurde. Ihre Finger verschwanden, dann ihre Hände, ihre Arme. Doch sie spielte weiter, und der Schatten lächelte.
„Du wirst die Ewigkeit sehen, aber nie wieder Teil der Welt sein.“
Mit einem letzten, hohen Ton verschwand Elyn in der Melodie. Die Nacht wurde wieder still. Der See lag ruhig, das silberne Licht verblasste, und das Dorf schlief weiter, als ob nichts geschehen wäre.
Doch die Melodie blieb. Ein flüsternder Klang, den nur die Mutigsten hören konnten, in den tiefsten Stunden der Nacht. Und diejenigen, die ihm lauschten, wussten, dass sie bald die Ewigkeit betreten würden.
Anmerkungen und Überlegungen zur Kurzgeschichte
Diese Fantasy-Geschichte greift die klassische Idee von Macht und dem Preis, den sie mit sich bringt, auf. Inspiriert von Märchen und alten Mythen wird die Melodie der Ewigkeit zur Metapher für das Überschreiten der Grenzen des Menschlichen. Der Schreibstil ist eher lyrisch und soll die mystische Atmosphäre der Szene betonen. Der Fokus liegt auf dem Magischen, das in dieser Welt allgegenwärtig ist, jedoch eine gefährliche, unkontrollierbare Kraft darstellt.