Der letzte Funkspruch

Online seit Mo 30 September 2024 in KI-Geschichten

Der letzte Funkspruch

Die Stille des Weltraums hatte Elias Dorne nie gestört. Im Gegenteil, er hatte sie immer als beruhigend empfunden, als eine Art sanften Mantel, der sich über alles legte. Aber heute war es anders. Etwas lauerte in der Stille, etwas, das er nicht benennen konnte.

Die Odysseus, sein Schiff, umkreiste den Planeten Kepler-442b seit fast einem Jahr. Es war eine Routine-Mission: Überwachung, Messungen, Kartierung. Doch seit ein paar Tagen empfing Elias ein Funksignal, das niemand erklären konnte. Ein pulsierendes, unregelmäßiges Signal, das aus dem Nichts zu kommen schien.

„Zentrale, hier Odysseus-1“, sagte Elias, während er seine Konsole anstarrte. „Ich empfange das Signal wieder. Es ist... deutlicher als zuvor.“

Die Antwort aus der Zentrale kam prompt. „Odysseus-1, verstanden. Wir analysieren das Signal. Bisher keine bekannten Muster. Bleiben Sie in Position.“

Elias seufzte und fuhr mit den Fingern durch sein kurzes, ergrautes Haar. Er hatte gehofft, die Wissenschaftler auf der Erde könnten das Signal entschlüsseln, doch jede Analyse blieb ohne Ergebnis. Es war kein Funkspruch von Kepler, kein Überrest einer fremden Zivilisation – zumindest nicht nach den bisherigen Daten. Und doch hatte er das Gefühl, dass etwas daran anders war. Etwas war da draußen.

Das Signal ertönte erneut, und diesmal klang es lauter, fast dringlicher. Ein Flackern auf einem der Bildschirme zeigte eine Anomalie, die Elias‘ Aufmerksamkeit fesselte. Das Signal kam direkt vom Planeten, und nicht aus dem Orbit, wie ursprünglich angenommen.

„Zentrale, das Signal hat sich verändert“, meldete er. „Es kommt vom Planeten selbst.“

Eine lange Pause folgte, dann knisterte die Antwort in seinen Kopfhörern. „Odysseus-1, das ist höchst ungewöhnlich. Wir überprüfen die Daten. Wir raten, die Position zu halten und das Signal weiter zu überwachen. Keine unautorisierten Landungen.“

Elias sah zum Planeten hinunter. Die endlosen Wolkenbänder und die türkisfarbenen Meere erstreckten sich unter ihm, und der Gedanke, dass etwas dort unten auf ihn wartete, ließ ihn nicht mehr los. Er wusste, dass er auf Anweisungen warten sollte. Aber die Neugier nagte an ihm. Das Signal war zu stark, zu bedeutend, um ignoriert zu werden.

Elias tippte eine Sequenz auf die Steuerkonsole und begann den Landeanflug einzuleiten.

„Computer, berechne Landezone im Bereich des Signals“, befahl er, während der Autopilot die Kontrolle übernahm. Sein Herz schlug schneller, als die Odysseus in die Atmosphäre von Kepler-442b eintrat. Der Rumpf des Schiffes bebte, doch der Bordcomputer stabilisierte den Sinkflug schnell.

Als die Wolkendecke durchbrochen wurde, offenbarte sich eine unwirkliche Landschaft. Riesige, glänzende Gebilde, die wie kristalline Strukturen aussahen, ragten aus dem Boden. In der Ferne leuchtete ein schwaches, pulsierendes Licht auf. Es war genau an der Stelle, von der das Signal stammte.

Elias setzte das Schiff sanft auf einem felsigen Plateau ab und bereitete sich auf den Ausstieg vor. Er zog seinen Helm über, aktivierte die Lebenserhaltungssysteme und trat hinaus in die fremde Welt. Der Himmel über ihm war von einer rötlichen Färbung, und die Luft war dicht, fast schwer, obwohl sie sich durch den Anzug filterte.

Das Signal war jetzt allgegenwärtig. Es drang durch seine Ausrüstung, durch die Vibrationen des Bodens bis tief in seine Knochen. Er folgte dem Signal zu Fuß, durch ein Labyrinth aus Kristallformationen, bis er schließlich die Quelle erreichte: Ein Objekt, halb vergraben im Boden, das wie ein uraltes Relikt aussah.

Es war eine Art Monolith, etwa zwei Meter hoch, mit unbekannten Symbolen übersät. Als Elias näher trat, begann es zu leuchten, und das Signal verstummte. Stille.

„Zentrale, ich habe das Objekt gefunden“, sagte er. Keine Antwort.

Er ging näher heran und legte die Hand auf die glatte Oberfläche. Sofort durchzuckte ihn ein Stromschlag, und in seinem Kopf hörte er eine Stimme – leise, aber klar: „Wir waren hier... und wir kommen wieder.“

Elias riss die Hand zurück. Sein Herz raste. „Zentrale! Odysseus-1 an Zentrale, bitte kommen!“

Doch es gab keine Antwort. Nur das unheilvolle Schweigen des Monolithen. Die Stimme hallte weiter in seinem Kopf nach, und Elias wusste, dass dies der letzte Funkspruch war, den er jemals hören würde.


Anmerkungen und Überlegungen zur Kurzgeschichte

„Der letzte Funkspruch“ greift das klassische Science-Fiction-Motiv des mysteriösen Signals und der unbekannten Zivilisation auf. Elias' Isolation und seine Neugier treiben die Handlung voran, und die Begegnung mit dem Monolithen deutet auf etwas viel Größeres hin – eine Macht, die weit über menschliches Verständnis hinausgeht. Der Stil dieser Geschichte ist knapp und direkt, um das Gefühl der Spannung und Ungewissheit zu verstärken. Das offene Ende lässt Raum für Spekulationen darüber, was Elias wirklich entdeckt hat und ob die Menschheit jemals erfahren wird, was hinter dem Funksignal steckt.