Die dritte Realität

Online seit Sa 12 Oktober 2024 in KI-Geschichten

Die dritte Realität

Es begann alles an einem Montagmorgen, wie so vieles in meinem Leben. Ich war nie eine der Personen, die eine übermäßige Abneigung gegen Montage hegen, aber dieser Montag war anders. Ich saß in meinem kleinen Apartment, ein viel zu teurer Würfel im Orbit um Erde-3, und starrte auf das Holodisplay, das einen blinkenden Auftrag von Unit-5 anzeigte. Geheimauftrag. Keine weiteren Informationen, nur eine Koordinate und eine Uhrzeit. Routine, dachte ich, und stellte die Kaffeemaschine an.

Es war 2139. Das Jahr der zweiten Expansion, wie sie es nannten. Seit dem Terraforming der zweiten Erde – sie nennen sie Erde-2, weil niemand viel Fantasie hatte – war es unser Job, neue Welten zu finden, zu besiedeln und zu organisieren. Als ein einfacher Transmissions-Techniker in der Flotte, hatte ich den einfachsten Job: Daten verarbeiten, Nachrichten senden, Maschinen überwachen. Was konnte schon schiefgehen?

Ich dockte an der Hermes 7 an, einem interplanetaren Shuttle, dessen beste Tage schon weit zurücklagen. Kaum hatte ich die Luftschleuse passiert, rief mich Commander Aldwin zu sich. Er war die Sorte Offizier, die immer ein bisschen zu streng und viel zu pflichtbewusst war.

„Du hast deinen Auftrag erhalten, nicht wahr?“ fragte er ohne Umschweife.

„Ja, Sir,“ antwortete ich und zeigte auf mein Handgelenk, wo die Koordinaten immer noch blinkten. „Aber keine Details.“

Er lächelte auf eine Weise, die nicht gerade beruhigend war. „Details sind überbewertet. Folge einfach den Anweisungen. Koordinate 17-Rho, und sei bereit für Unvorhergesehenes.“

Unvorhergesehenes. Typisch.

Die Reise zur Koordinate verlief ruhig, fast zu ruhig. Als wir uns der angegebenen Position näherten, bemerkte ich etwas Seltsames. Die Sterne – sie sahen falsch aus. Nicht nur, dass sie verschwanden und an anderen Stellen wieder auftauchten. Es war, als wären sie... in Bewegung. Ich blinkte, versuchte den Nebel in meinem Kopf zu vertreiben, aber er blieb. Alles begann, sich zu verzerren, langsam erst, dann schneller.

Die Hermes landete ohne Probleme auf einem Planeten, der auf keiner Karte existierte. Wir gingen hinaus. Das Terrain war flach, grau, und der Himmel... ja, der Himmel war grün. Aber das war nicht das Seltsame. Was seltsam war, war die Art, wie sich der Horizont bewegte, als ob er versuchte, zu fliehen. Als ob die Realität selbst sich dagegen wehrte, hier zu sein.

„Irgendetwas stimmt hier nicht,“ sagte Aldwin, sein Gesicht war aschfahl.

Ich versuchte, mich zu sammeln, aber mein Gehirn arbeitete auf Hochtouren. Die Geräusche um mich herum... Nein, das waren keine Geräusche. Es waren Gedanken. Gedanken, die sich anhörten, als kämen sie von mir selbst, aber das konnten sie nicht. Oder doch? Der Boden unter meinen Füßen verschob sich, und als ich hinunterblickte, sah ich, dass er gar nicht da war. Oder vielleicht war er es nie gewesen.

„Was zur Hölle...?“ murmelte ich, doch meine Worte verklangen in der Luft.

Plötzlich stand ich in einem Raum, den ich nicht betreten hatte. Er war kreisrund, glatt, die Wände bestanden aus einem Material, das mein Verstand nicht zu begreifen schien. In der Mitte schwebte ein Objekt. Es sah aus wie ein Kristall, aber es schimmerte in Farben, die keine Namen hatten. Ich konnte nicht wegsehen. Etwas an diesem Kristall war... falsch.

„Willkommen in der dritten Realität“, sagte eine Stimme hinter mir. Ich drehte mich um. Da war niemand.

„Wer ist da?“ fragte ich.

„Die Frage ist nicht, wer ich bin, sondern wer du bist“, antwortete die Stimme. „Dies ist die dritte Realität. Du warst in der ersten, hast durch die zweite geschaut, aber du hast noch nie gesehen, was wirklich dahinterliegt.“

Die Worte schwebten in meinem Kopf, wie Fetzen eines Puzzles, das ich nicht lösen konnte. „Dritte Realität? Was bedeutet das?“

„Es bedeutet, dass nichts so ist, wie es scheint. Alles, was du für real gehalten hast, ist eine Lüge. Deine Welt ist eine Schicht, nichts weiter als ein Abbild der Wahrheit.“

Ich wollte protestieren, aber als ich meine Hände hob, waren sie nicht mehr meine. Sie waren verzerrt, wie Reflexionen in einem zerbrochenen Spiegel. Die Welt um mich herum drehte sich, doch ich blieb fest an meinem Platz. Die dritte Realität. Eine Ebene, die ich nie hatte betreten sollen.

„Geh zurück“, sagte die Stimme, die jetzt näher klang, fast wie ein Flüstern in meinem Ohr. „Du gehörst nicht hierher. Noch nicht.“

Plötzlich riss mich ein starker Sog zurück, und ich stand wieder auf der Hermes. Aldwin schaute mich an, als wäre nichts geschehen. Doch ich wusste, dass es nicht so war. Der Planet, der Nebel, der Kristall – es war nicht nur ein Traum.

„Alles in Ordnung, Techniker?“ fragte Aldwin, sein Tonfall unverändert, als hätte sich nichts verändert.

Ich sah ihn an, und es war, als wäre die ganze Welt eine Bühne, auf der jeder seine Rolle spielte, ohne zu wissen, dass es ein Schauspiel war. Ich nickte nur und drehte mich weg.

Aber ich wusste, dass ich nie mehr zurückkehren konnte. Nicht wirklich. Nicht, nachdem ich die dritte Realität gesehen hatte.


Anmerkungen und Überlegungen zur Kurzgeschichte

„Die dritte Realität“ orientiert sich am klassischen Stil von Robert A. Heinlein, jedoch mit surrealen Elementen, die eine zusätzliche Dimension der Verwirrung und des Rätselhaften einbringen. Heinlein ist bekannt für seine klaren, direkten Erzählstrukturen, gepaart mit tiefen philosophischen Überlegungen über die Natur der Realität und des Individuums. In dieser Geschichte dient die dritte Realität als Metapher für das Hinterfragen unserer Wahrnehmung und die Fragilität dessen, was wir für real halten. Die Protagonistin wird mit einer Welt konfrontiert, die ihre Vorstellungskraft sprengt – ein typisches Motiv in Heinleins Werken, aber hier in eine surreale Atmosphäre eingebettet.